Zum Inhalt springen

Geschrieben von Alex Ren

Aktualisiert am 16 Min. Lesezeit

Hat der Kindle blaues Licht? Was jeder deiner Bildschirme wirklich abstrahlt, gemessen

Kurzfassung Ja, wenn dein Kindle ein Frontlicht hat, und das trifft auf jedes Modell zu, das Amazon aktuell verkauft: Die kleinen LEDs, die die Seite beleuchten, strahlen blaue Wellenlängen ab, genau wie jede andere weiße LED. Ein einfacher E-Ink-Kindle mit ausgeschaltetem Licht strahlt überhaupt nichts ab, weil der Bildschirm nur Licht reflektiert, das schon im Raum ist. Das Interessante ist nicht, ob ein Bildschirm blaues Licht abstrahlt, denn das tun sie alle, und fast in derselben Farbe. Interessant ist, wie viel, und da liegt der Unterschied zwischen einem Kindle und einem Tablet bei fast dem Faktor zehn.

Ein Mann liest spätnachts im Bett von einem E-Reader, dessen Seite nur ein schwacher Schein ist, der sein Gesicht kaum erreicht, während auf dem Nachttisch daneben ein Handy mit dem Display nach oben den zweiten Lampenschirm in hartes, kaltes Blaulicht taucht.

Die kurze Antwort, Bildschirm für Bildschirm#

  • Kindle mit ausgeschaltetem Frontlicht: überhaupt kein eigenes Licht. Ein E-Ink-Bildschirm reflektiert nur, wie Papier. Was dein Auge erreicht, kommt allein von deiner Lampe.
  • Kindle mit eingeschaltetem Frontlicht: ja, und er schnitt im Vergleich unten am niedrigsten ab, mit etwa einem Zehntel des zirkadian relevanten Lichts eines Tablets.
  • Handy, Tablet, Laptop: ja, und genau an diesen Geräten wurde die Schlafforschung tatsächlich durchgeführt.
  • Fernseher: ja, und die übliche Entwarnung wegen des Abstands stimmt nur zur Hälfte. Erklärung weiter unten.
  • Sonnenbrille: sie blockiert blaues Licht sehr wirksam, weshalb sie tagsüber drinnen eigentlich nichts zu suchen hat.

Hat der Kindle blaues Licht?#

Die Frage hat drei verschiedene Antworten, weil drei verschiedene Geräte alle als Kindle bezeichnet werden, und die meisten Seiten, die diese Frage beantworten, werfen sie in einen Topf.

  • Ein E-Ink-Kindle ohne Licht oder mit ausgeschaltetem Licht. Er strahlt nichts ab. E-Ink ist eine reflektierende Anzeige: winzige geladene Pigmentpartikel steigen und sinken in Mikrokapseln, damit die Seite hell oder dunkel erscheint, und du liest sie wie Papier, im Licht des Raums. Schaltest du das Frontlicht aus, hört das Gerät komplett auf, eine Lichtquelle zu sein.
  • Ein E-Ink-Kindle mit Frontlicht: Paperwhite, Colorsoft, Scribe und das aktuelle Basismodell. Er strahlt blaues Licht ab, weil die LEDs weiße LEDs sind. Jeder Kindle, den Amazon heute verkauft, hat ein Frontlicht; nur ältere Basismodelle kommen ohne aus.
  • Die Kindle-App auf Handy oder Tablet, oder ein Fire-Tablet. Das ist überhaupt kein E-Reader. Es ist ein gewöhnliches LCD oder OLED und gehört in die Handy- und Tablet-Zeile der Tabelle weiter unten.

Eine technische Korrektur, die nötig ist, weil die Seiten, die für diese Suche ranken, sie falsch darstellen, und sie ändert die Antwort: Ein Kindle hat ein Frontlicht, keine Hintergrundbeleuchtung. Bei einem Handy sitzt die Hintergrundbeleuchtung hinter dem Panel und scheint durch es hindurch, direkt in dein Auge. Beim Kindle sitzen die LEDs im Rahmen und leuchten seitlich in einen dünnen Lichtleiter, der über dem Bildschirm liegt. Der lenkt das Licht nach unten auf die E-Ink-Schicht, von wo es zu dir zurückreflektiert wird. Du liest also immer noch reflektiertes Licht, nur eines, das sich das Gerät selbst liefert, statt es von deiner Lampe zu beziehen.

Dieser Unterschied ist nicht kosmetisch. Er ist der Grund, warum dieselben weißen LEDs bei einem Kindle eine viel kleinere Dosis ans Auge liefern als bei einem Tablet, und er steckt hinter den Zahlen im nächsten Abschnitt.

Wie viel blaues Licht, in konkreten Zahlen#

Fast niemand, der darüber schreibt, misst tatsächlich etwas. Eine Studie von 2015 in Frontiers in Public Health hat das getan: Die Geräte wurden auf den vom Hersteller empfohlenen Leseabstand gebracht, und gemessen wurde, was tatsächlich am Auge ankam. Die entscheidende Spalte ist hier das melanopische Lux: Es gewichtet das Licht nach der Reaktion jener Netzhautzellen, die deine innere Uhr steuern, also genau der Bahn, für die blaues Licht bekannt ist.

GerätSpitzenwellenlängePhotopisches LuxMelanopisches Lux
iPad Air, 9,7 Zoll, bei 35 cm445 nm318,5302,3
iPhone 5s, 4 Zoll, bei 22,5 cm450 nm51,454,5
Kindle Paperwhite, 6 Zoll, bei 35 cm, Licht auf 50 Prozent455 nm38,734,6
Am Auge ankommendes Licht bei drei Bildschirmen mit Text, jeweils im empfohlenen Betrachtungsabstand

Lies die erste und die letzte Spalte zusammen, denn genau darin liegt das ganze Argument. Die Spitzenwellenlänge ist bei allen dreien gleich, auf zehn Nanometer genau. Das ist kein Zufall: Eine weiße LED ist im Kern eine blaue LED mit einer Phosphorschicht darüber, und genau dieser Ausschlag im Blauen macht aus ihr Weiß. Jede Seite, die dir sagt, ein Gerät strahle blaues Licht ab, hat dir nichts gesagt, was es von einem anderen Gerät unterscheidet. Die melanopische Spalte dagegen unterscheidet sich um fast das Zehnfache, und das ist die Zahl mit der biologischen Konsequenz.

Drei Bildschirme nebeneinander, die zeigen, wie viel Licht jeder in Richtung des Lesers abstrahlt: ein Tablet mit einem breiten, hellen Lichtkegel, ein Handy mit einem schmaleren und ein E-Reader mit einem kleinen, schwachen
Gleiche Lichtfarbe, sehr unterschiedliche Dosis. Das Tablet lieferte im gleichen Leseabstand etwa neunmal so viel zirkadian relevantes Licht wie ein E-Reader mit Frontlicht.

Zwei ehrliche Einschränkungen. Das sind Geräte von 2015, und der Kindle wurde mit halber Helligkeit gemessen, das Tablet nicht, also spiegelt das Verhältnis eher den normalen Gebrauch wider als eine physikalische Konstante. Drehst du einen Paperwhite in einem dunklen Raum auf Maximum, verkleinerst du diesen Abstand selbst ein Stück. Die Reihenfolge dagegen ist strukturell bedingt: Ein Frontlicht auf einer reflektierenden Fläche bringt weniger Licht ins Auge als eine Hintergrundbeleuchtung, die direkt darauf zielt, und ein 6-Zoll-Bildschirm liefert weniger als ein 9,7-Zoll-Bildschirm.

Zum Vergleich: Die American Academy of Ophthalmology (AAO) hält fest, dass die Blaulichtbelastung durch Bildschirme deutlich geringer ausfällt als die durch die Sonne, und nicht schädlicher ist. Ein bewölkter Tag im Freien liegt schon im Bereich mehrerer Tausend Lux, direkte Sonne weit über hunderttausend. Jedes Gerät in dieser Tabelle ist ein Rundungsfehler im Vergleich zu einem Spaziergang zum Supermarkt.

Ist ein Kindle vorm Schlafengehen wirklich besser als ein Handy?#

Was das Licht angeht, ja, und dahinter steckt ein bekanntes Experiment, das allerdings routinemäßig für mehr zitiert wird, als es tatsächlich gezeigt hat. Chang und Kollegen (2015) ließen Versuchspersonen vier Stunden vor dem Schlafengehen lesen, an manchen Abenden von einem leuchtenden Bildschirm, an anderen aus einem gedruckten Buch. Die Bildschirm-Abende unterdrückten das abendliche Melatonin um etwa 55 Prozent, die Druck-Abende gar nicht. Die Teilnehmer brauchten länger zum Einschlafen, ihre innere Uhr verschob sich nach hinten, und sie waren am nächsten Morgen messbar weniger wach.

Das entscheidende Detail, das die Seiten, die diese Studie zitieren, gern unterschlagen: Das Gerät war ein iPad, kein Kindle. Die Studie hat keinen E-Reader mit Frontlicht getestet, sie kann dir also nichts über einen Paperwhite sagen. Was sie dir sagen kann, ist trotzdem nützlicher als eine Schlagzeile. Das gedruckte Buch wurde im reflektierten Licht gelesen, mit einem Maximum bei etwa 612 nm im Orangebereich, gegenüber rund 450 nm beim Bildschirm. Ein E-Ink-Kindle mit ausgeschaltetem Frontlicht entspricht optisch der Druck-Bedingung: Er strahlt nichts ab, und was dein Auge erreicht, ist deine Lampe, nur reflektiert. Ein Kindle mit Frontlicht liegt zwischen beiden, deutlich näher am Druck-Ende.

Die praktische Antwort lautet also ja: Ein Kindle ist abends der bessere Bildschirm als ein Handy, aus physikalischen und nicht aus ideologischen Gründen. Genauso wahr ist aber, dass dieser Vorteil größer verkauft wurde, als er ist, aus einem Grund, der im nächsten Abschnitt klar wird.

Haben Fernseher blaues Licht?#

Ja. Ein LED-hintergrundbeleuchtetes LCD und ein OLED erzeugen Weiß auf dieselbe Art wie jedes andere Display, also strahlt ein Fernseher dasselbe blaulastige Spektrum ab wie das Handy in deiner Hand.

Die übliche Beruhigung lautet: Der Fernseher ist weit weg, also zählt er kaum. Das ist nur die halbe Geschichte, und die fehlende Hälfte ist die Größe. Was dein Auge von einem großen Flachbildschirm erreicht, hängt davon ab, wie hell er ist und wie viel von deinem Sichtfeld er ausfüllt. Ein 55-Zoll-Bildschirm aus zweieinhalb Metern Entfernung füllt ungefähr denselben Anteil deines Sichtfelds wie ein Handy aus dreißig Zentimetern. Abstand und Größe wirken in entgegengesetzte Richtungen und heben sich weitgehend auf, weshalb ein Fernsehabend deine innere Uhr nicht offensichtlich schont, verglichen mit einem Abend voller Scrollens.

Was sich wirklich unterscheidet, ist alles außer dem Licht. Du hältst dir keinen Fernseher zwanzig Zentimeter vors Gesicht, du hältst den Fokus nicht stundenlang auf Lesedistanz, und du blinzelst dabei ganz normal. Genau das sind die Mechanismen hinter schmerzenden Augen am Ende eines Arbeitstags, und keinen davon bringt ein Fernseher mit sich. Wenn deine Augen wehtun, ist der Fernseher kaum der Schuldige. Wenn du schlecht schläfst, ist er ein genauso plausibler Verdächtiger wie dein Handy.

Blaues Licht am iPhone ausschalten, und auf allen anderen Geräten#

Auf dem iPhone heißt die Einstellung Night Shift, und sie macht das Display wärmer, statt etwas abzuschalten. Öffne Einstellungen, dann Anzeige & Helligkeit, dann Night Shift, und aktiviere Geplant. Du kannst es von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang laufen lassen oder einen eigenen Zeitplan festlegen, und den Farbtemperaturregler in Richtung warm ziehen. Für den sofortigen Wechsel öffnest du das Kontrollzentrum, hältst den Helligkeitsregler gedrückt und tippst auf Night Shift. Apple beschreibt beide Wege.

  • Android: Einstellungen, Display, dann Nachtlicht oder Eye Comfort Shield, je nach Hersteller. Gleiche Zeitplan-Optionen.
  • Mac: Systemeinstellungen, Displays, Night Shift.
  • Windows: Einstellungen, System, Anzeige, Nachtmodus.
  • Kindle: Bei den Modellen mit Warmlicht-Einstellung kannst du die Front-LEDs über die obere Werkzeugleiste nach Zeitplan Richtung Amber schieben. Bei jedem Kindle ist es wirksamer, das Frontlicht herunterzudimmen, und am wirksamsten, es in einem beleuchteten Raum ganz auszuschalten.
  • Fernseher: Weg vom grellen Bildmodus, der für die Ladenfläche gemacht ist. Filmmaker-, Kino- oder Warm-Modus sind dunkler und deutlich wärmer als die Werkseinstellung, die darauf ausgelegt ist, unter Showroom-Licht besonders hell zu wirken.

Jetzt der Teil, den die Anleitungsartikel gern weglassen. Duraccio und Kollegen (2021)00060-7/abstract) haben dazu eine echte randomisierte Studie durchgeführt, mit 167 Erwachsenen über sieben Nächte, aufgeteilt in drei Gruppen: Handy mit Night Shift an, Handy mit Night Shift aus, und kein Handy vor dem Schlafengehen. Night Shift machte bei keinem einzigen Schlafwert einen signifikanten Unterschied, verglichen mit dem ungefilterten Handy. Bei den guten Schläfern schlug „Handy weglegen“ beide Handy-Bedingungen. Die Autoren schlossen daraus, dass das Problem nicht nur kurzwelliges Licht ist: Was ein Handy mit deinem Abend macht, hat auch mit Engagement und Erregung zu tun, und ein wärmerer Bildschirm macht einen Gruppenchat nicht weniger aufregend.

Blockieren Sonnenbrillen blaues Licht?#

Ja, und gründlicher als alles, was drinnen dafür beworben wird. Ein Sonnenbrillenglas wirkt, indem es sichtbares Licht über die gesamte Breite kappt, Blau eingeschlossen, und als grobe Faustregel gilt: Ein Glas, das 43 Prozent oder weniger des sichtbaren Lichts durchlässt, filtert damit auch den größten Teil des Blaulichts heraus. Braune, bernsteinfarbene und kupferfarbene Tönungen schneiden die kurzen Wellenlängen anteilig stärker weg als ein neutrales Grau.

Der Haken: Das ist die eine Situation, in der blaues Licht zu blockieren gegen dich arbeitet. Blaues Licht am Tag ist genau das Signal, das deine innere Uhr verankert, und das Tageslicht draußen am Morgen tut mehr für deinen Schlaf in der kommenden Nacht als jeder Abendfilter. Sonnenbrillen haben ihre Daseinsberechtigung: Blendung, Komfort, UV-Schutz, Migräne und Lichtempfindlichkeit. Die zirkadiane Gesundheit gehört nicht dazu, und sie drinnen vor dem Bildschirm zu tragen, ist das falsche Werkzeug für das falsche Problem.

Die verwandte Frage, ob getönte Brillen, die speziell fürs Bildschirmlesen verkauft werden, etwas gegen müde Augen bringen, hat eine eigene Antwort, und sie ist nicht besonders ermutigend. Wir behandeln das ausführlich im Leitfaden gegen Augenbelastung, und die Verhaltensseite von blauem Licht, also wann du es bekommst statt welches Glas du davorhältst, gehört zur 20-20-20-Regel.

Was keine dieser Einstellungen wirklich ändert#

In jedem Artikel über blaues Licht stecken zwei getrennte Fragen, und genau sie auseinanderzuhalten macht hier den größten Unterschied. Die eine dreht sich um Schlaf, wo Licht tatsächlich eine Rolle spielt und wo Dosis und Zeitpunkt die Stellschrauben sind. Die andere dreht sich darum, wie sich deine Augen um sechs Uhr abends anfühlen, und damit hat blaues Licht kaum etwas zu tun.

Bei dieser zweiten Frage ist die AAO ungewöhnlich klar: Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass blaues Licht von digitalen Geräten das Auge schädigt, und der Grund, warum Bildschirme die Augen schmerzen lassen, ist, dass die meisten von uns seltener blinzeln, wenn sie auf einen schauen. Am Bildschirm sinkt die Blinzelrate um etwa die Hälfte, und viele der übrigen Lidschläge sind unvollständig, sodass der Tränenfilm dünner wird und die Oberfläche gereizt wird, während die Fokusmuskeln stundenlang ohne Pause auf Nahdistanz gehalten werden. Keine Farbtemperatur-Einstellung bei irgendeinem Gerät in diesem Artikel ändert etwas an beidem. Das ist auch der Grund, warum Dark Mode nicht das hält, was man sich von ihm verspricht: Es ist eine Anzeigeeinstellung, die gegen ein Problem gerichtet ist, das in deiner Blinzelrate steckt.

Das rückt die ganze Gerätefrage in die richtige Relation. Beim Zubettgehen einen Kindle statt eines Tablets zu wählen, ist eine vernünftige, evidenzbasierte Entscheidung, die vielleicht eine Stunde deines Abends wert ist. Night Shift einzuschalten ist kostenlos und angenehm und, den Studien nach zu urteilen, ziemlich wirkungslos. Regelmäßig tagsüber vom Bildschirm wegzuschauen ist das Einzige, was am eigentlichen Mechanismus ansetzt, und dafür gibt es keinen Schalter in den Einstellungen.

Pausr
Eine Pausen-Benachrichtigung mitten in der Aufgabe. Keine Farbtemperatur-Einstellung bringt dich dazu, vom Bildschirm wegzuschauen. Das hier schon.

Wann du stattdessen einen Sehtest machen solltest#

Wenn du hier bist, weil deine Augen wehtun, und nicht aus Neugier auf E-Ink, sind Geräteeinstellungen nicht die Untersuchung, die du brauchst. Vereinbare einen Sehtest, wenn eines der Folgenden zutrifft:

  • Verschwommenes Sehen klärt sich nicht, wenn du blinzelst oder in die Ferne schaust.
  • Du bekommst Kopfschmerzen, die zuverlässig auf Bildschirmarbeit folgen, oder Augenschmerzen statt bloßer Augenmüdigkeit.
  • Dir fallen neue Mouches volantes, Lichtblitze oder ein Schatten in einem Teil deines Sichtfelds auf. Das ist dringend und keine Augenbelastung.
  • Ein Auge ist rot und schmerzhaft, oder dein Sehvermögen hat sich nur auf einem Auge verändert.
  • Beschwerden bleiben bestehen, trotz regelmäßiger Pausen, sinnvollem Bildschirmabstand und passender Beleuchtung.
  • Du hattest seit zwei Jahren keinen Sehtest mehr, was bei einem Erwachsenen, der sonst alles richtig macht, nach wie vor die wahrscheinlichste Einzelerklärung für Bildschirmbeschwerden ist.

Häufige Fragen

Hat der Kindle blaues Licht?
Wenn er ein Frontlicht hat, ja: Die LEDs, die die Seite beleuchten, sind weiße LEDs, und jede weiße LED hat ihr Maximum im Blaubereich. Mit ausgeschaltetem Frontlicht strahlt ein E-Ink-Kindle überhaupt nichts ab, weil der Bildschirm nur reflektiert und du im Licht des Raums liest. Bei normalem Leseabstand gemessen, lieferte ein Kindle Paperwhite mit Frontlicht etwa ein Zehntel des zirkadian relevanten Lichts eines Tablets. Er strahlt also blaues Licht ab, aber deutlich weniger davon als das Gerät, mit dem er am häufigsten verglichen wird.
Hat der Kindle Paperwhite blaues Licht?
Ja. Der Paperwhite hat ein Frontlicht, seine LEDs strahlen also wie jede weiße LED ein blaulastiges Spektrum ab, gemessen bei einem Maximum von etwa 455 nm. Was ihn von einem Handy oder Tablet unterscheidet, ist die Menge, nicht die Farbe: In einem veröffentlichten Vergleich lieferte er im gleichen Leseabstand etwa ein Zehntel des melanopischen Lichts eines iPads, teils weil er kleiner ist, teils weil das Licht über die Seite gelenkt wird statt direkt auf dein Auge. Modelle mit Warmlicht-Einstellung lassen dich diese LEDs Richtung Amber verschieben.
Strahlen Kindles auch mit ausgeschaltetem Licht blaues Licht ab?
Nein. Mit ausgeschaltetem Frontlicht strahlt ein E-Ink-Bildschirm nichts ab. Er funktioniert durch Reflexion, wie Papier: Geladene Pigmentpartikel bewegen sich innerhalb von Mikrokapseln, damit jede Stelle hell oder dunkel erscheint, und das einzige Licht, das dein Auge erreicht, ist das Licht, das schon im Raum ist und von der Seite zurückgeworfen wird. Liest du einen Kindle bei einer warmen Lampe mit ausgeschaltetem Frontlicht, stammt das Licht, das in deine Augen fällt, von der Lampe, nicht vom Gerät.
Haben Fernseher blaues Licht?
Ja. LED-hintergrundbeleuchtete LCD-Fernseher und OLED-Fernseher erzeugen beide weißes Licht mit einem Maximum im Blaubereich, genau wie ein Handy oder ein Monitor. Die verbreitete Beruhigung, ein Fernseher sei zu weit weg, um eine Rolle zu spielen, stimmt nur zur Hälfte, weil der Bildschirm auch viel größer ist: Ein 55-Zoll-Fernseher aus zweieinhalb Metern Entfernung füllt etwa so viel von deinem Sichtfeld wie ein Handy aus dreißig Zentimetern, sodass sich Abstand und Größe weitgehend aufheben. Was sich wirklich unterscheidet: Beim Fernsehen gibt es keinen dauerhaften Nahfokus und keinen Rückgang beim Blinzeln, weshalb er als Verdächtiger für schmerzende Augen wenig taugt, aber als Grund für eine späte Schlafenszeit plausibel bleibt.
Wie schalte ich blaues Licht auf meinem iPhone aus?
Öffne Einstellungen, dann Anzeige & Helligkeit, dann Night Shift, und aktiviere Geplant. Du kannst zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang oder einem eigenen Zeitplan wählen und den Farbtemperaturregler Richtung warm ziehen. Für den sofortigen Wechsel öffnest du das Kontrollzentrum, hältst den Helligkeitsregler gedrückt und tippst auf Night Shift. Gut zu wissen: Eine randomisierte Studie mit 167 Erwachsenen fand keinen signifikanten Unterschied zwischen Night Shift und einem ungefilterten Handy bei irgendeinem Schlafwert, also behandle es eher als Komfort-Einstellung denn als Schlafmaßnahme.
Hilft Night Shift wirklich beim Schlafen?
Die eine Studie, die das direkt getestet hat, sagt nein. Forscher teilten 167 Erwachsene über sieben Nächte per Zufall in drei Gruppen ein: Handy mit Night Shift an, Handy damit aus, oder gar kein Handy vor dem Schlafengehen, und fanden zwischen den beiden Handy-Bedingungen keinen signifikanten Unterschied bei den Schlafwerten. Bei den guten Schläfern schlug der komplette Verzicht aufs Handy beide Varianten. Der wahrscheinliche Grund: Handynutzung am Abend ist auf eine Art anregend, die ein wärmerer Bildschirm nicht ändert. Was den Unterschied zu machen scheint, ist, den Bildschirm zu dimmen und früher aufzuhören.
Blockiert eine Sonnenbrille blaues Licht?
Ja, und wirksamer als die meisten Brillen, die fürs Bildschirmlesen verkauft werden, weil ein Sonnenbrillenglas sichtbares Licht über das gesamte Spektrum hinweg kappt. Als grobe Faustregel gilt: Ein Glas, das 43 Prozent oder weniger des sichtbaren Lichts durchlässt, filtert den größten Teil des blauen Lichts heraus, und warme Tönungen wie Braun oder Amber schneiden davon anteilig mehr weg als ein neutrales Grau. Der Haken ist, dass Tageslicht draußen genau die Belichtung ist, die deine innere Uhr verankert, Blaulicht zu blockieren wirkt also gegen das, was deinem Schlaf hilft. Trage eine Sonnenbrille wegen Blendung, Komfort, UV-Schutz oder Lichtempfindlichkeit, nicht um blaues Licht zu managen.
Schädigt blaues Licht von Bildschirmen die Augen?
Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Die American Academy of Ophthalmology (AAO) stellt klar, dass blaues Licht von digitalen Geräten keine Augenschäden verursacht, und dass die Belichtung durch einen Bildschirm viel geringer ausfällt als die, die du ohnehin durch Tageslicht bekommst. Bildschirmbeschwerden entstehen dadurch, dass wir etwa halb so oft blinzeln wie normal und den Fokus stundenlang auf Nahdistanz halten, weshalb Pausen und Blinzeln helfen und Farbfilter nicht.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Gringras et al. (2015), Frontiers in Public Health: Bigger, brighter, bluer-better? Current light-emitting devices
  2. Chang et al. (2015), PNAS: Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep, circadian timing and next-morning alertness
  3. Duraccio et al. (2021), Sleep Health: Does iPhone night shift mitigate negative effects of smartphone use on sleep outcomes?
  4. American Academy of Ophthalmology: Should you be worried about blue light?
  5. American Academy of Ophthalmology: Computers, digital devices and eye strain
  6. Apple Support: Use Night Shift on your iPhone, iPad and iPod touch
  7. American Academy of Ophthalmology: Are blue light glasses worth it?
  8. Sleep Foundation: How blue light affects sleep

Teilen

Mit KI tiefer einsteigen

Weiterlesen

Alle Artikel

2.000+ Nutzer4.9

Probier Pausr heute aus. Deine Augen spüren es noch heute Abend.

Dein Körper ist nicht dafür gemacht, den ganzen Tag vor einem Bildschirm zu sitzen.

7 Tage gratisAbonnieren oder einmalig kaufen

Jederzeit kündbar, mit einem KlickKein Konto nötig

Dieser Artikel behandelt

Amazon KindleE-Reader mit E-Ink-Display und Frontlicht

Ebenfalls erwähnt

  • E-InkReflektierende Anzeige, ohne eigenes Licht
  • Sichtbares SpektrumWo blaues Licht liegt, bei etwa 450 nm
  • Zirkadianer RhythmusDie innere Uhr, die Licht am Abend tatsächlich verschiebt
  • MelatoninWird von einem Tablet am Abend um 55 Prozent unterdrückt
  • PausrProaktive Pausen für Mac